Am Schwarzen Graben

Auftaktveranstaltung am 10.10.2020

Am 10. Oktober 2020 fand von 11.00 Uhr bis 15.00 Uhr die Auftaktveranstaltung zum „dialogorientierten Moderationsverfahren“ direkt im Plangebiet „Am Schwarzen Graben“ statt. Dank des teils sonnigen Wetters und des großen Engagements der Bürger*innen war die Veranstaltung gut besucht. Durch das Spaziergangs-Format unter freiem Himmel konnte die Veranstaltung und der gemeinsame Austausch trotz der Corona-Pandemie stattfinden.

Im Gebiet wurden dazu einzelne Stationen aufgestellt, an denen sich die Anwohner*innen, Eigentümer*innen, Nutzer*innen und interessierte Bürger*innen persönlich zu unterschiedlichen Themen zum Projekt informieren und beteiligen konnten. Es bestand die Möglichkeit mit dem Planungsteam und den Vertreter*innen der Stadtverwaltung Neuss im persönlichen Gespräch Anregungen, Fragen und Wünsche sowie Potenziale und Restriktionen einer baulichen Entwicklung vor Ort mitzuteilen und zu diskutieren. 

Die verschiedenen Stationen beschäftigten sich mit folgenden Themenfeldern:

  • Station #1 – Zugänglichkeit und Erschließung des Plangebiets sowie Verknüpfung zum Stadtteil
  • Station #2 – Neue Wohnbebauung, Freizeitwege und Anbindung des Plangebiets
  • Station #3 – Schützenplatz und Qualitäten des zukünftigen Quartiers
  • Station #4 – Verlagerung Tennenplatz, neue Nutzungen am Standort und Erschließung des Plangebiets

Die Karte zum Stationslauf steht Ihnen auch hier zum Download zur Verfügung.
 

Zusammenfassende Ergebnisauswertung der Auftaktveranstaltung

An den unterschiedlichen Stationen auf dem Plangebiet haben die Bürger*innen Ideen, Wünsche und Bedenken geäußert. Während der Auftaktveranstaltung am 10.10.2020 wurden die von den Bürger*innen geäußerten Anregungen, Wünsche, Ideen und Bedenken an den vier Stationen auf Karteikarten notiert. Im Folgenden wurden die Anregungen der Veranstaltung zusammenfassend betrachtet, ausgewertet und fotografisch dokumentiert. Sie finden die hochauflösenden Bilder zusätzlich hier als Download. Die wesentlichen Meinungen werden nun nach den vier verschiedenen Themenfeldern der Stationen geclustert – ohne sie jedoch zu bewerten. Einzelne Punkte wurden kontrovers diskutiert, andere hingegen erhielten ein eindeutiges Votum. 

Hinweis: Aktuell erfolgt vom Planungsteam ebenfalls die Auswertung der Anregungen aus der „Petition ‚Am Schwarzen Graben‘ muss grün bleiben!“. Diese Anregungen sind bisher in dieser Auswertung nicht enthalten, die Ergebnisse sollen jedoch ebenfalls auf dieser Webseite zusammengefasst veröffentlicht werden, um den transparenten Dialog aller beteiligten Akteure zu fördern.

4

Stationen

300

Anregungen

Insgesamt wurde die derzeitige Verkehrssituation von einem Großteil der Bürger*innen als überlastet und problematisch eingeschätzt. Dies betrifft insbesondere die Neukirchener Straße, dennoch wird auch auf die hohen Verkehrsbelastungen in der St. Peter-Straße und Im Rethkamp hingewiesen. Mit dem erhöhten Verkehrsaufkommen komme es zu Unfällen, Verkehrslärm und Sicherheitsbedenken. Letzteres betrifft vor allem auch die Schulwege aus dem gesamten Ortsteil kommend, welche sicherer gestaltet werden sollten.

Zur Bewältigung der Verkehrsproblematik auf der Neukirchener Straße wurde vorgeschlagen, den LKW-Verkehr stärker zu regeln sowie neue Parkplatzlösungen zu finden. Denn insbesondere durch die straßenbegleitenden parkenden Fahrzeuge komme es in Spitzenzeiten durch Verengungen der Fahrbahn zur Störung im Verkehrsablauf.

Im Einzelnen wurde noch die Ampelsteuerung der K30 als unzureichend eingeschätzt sowie der Ausbau der Autobahn als zusätzliche Gefährdung hinsichtlich einer möglichen steigenden Verkehrsbelastung für den Stadtteil gesehen.

Für eine mögliche Erschließung des Plangebiets wurden während der Auftaktveranstaltung verschiedene, teilweise sich widersprechende, Vorschläge gemacht. Zum einen soll die Erschließung auf keinen Fall über die Neukirchener Straße erfolgen. Stattdessen könne eine Parallelstraße angelegt werden. Es sollte ebenfalls keine Zufahrt über den Tennenplatz, d.h. über St. Peter-Straße oder Im Rethkamp (nur schmale Wohnstraßen), geplant werden.
Eine mögliche Zufahrt könnte ggf. über den Westen und die Straße „Am Schwarzen Graben“ erfolgen, allerdings sind hier die Belange des Naturschutzes zu berücksichtigen.

Mit dem Zuzug neuer Bürger*innen müssen auch neue Stellplätze (z.B. auf dem eigenen Grundstück) geschaffen werden, jedoch nur so viele wie auch notwendig. Auch die Anwendung alternativer Verkehrskonzepte, wie z.B. CarSharing, sollte beachtet werden. Mit der Entwicklung des Plangebietes sollten zudem mehr Fahrradwege geplant werden, auch im Umfeld und mit Anschluss an die Innenstadt. Um das erhöhte Verkehrsaufkommen zukünftig zu reduzieren, sei es notwendig, den Individualverkehr insgesamt zu verringern und die Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs zu verbessern. In diesem Zusammenhang wurde auch die Erarbeitung eines Mobilitätskonzeptes bzw. eines Verkehrskonzepts für das Plangebiet und die Umgebung angeregt.

In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass ein Großteil der Teilnehmenden darauf hingewiesen hat, die Verkehrsplanung für das Plangebiet „Am Schwarzen Graben“ nicht nur auf die umliegenden Straßen zu beziehen, sondern gesamt Rosellerheide und umgebende Ortsteile innerhalb eines übergeordneten Verkehrskonzepts für den Neusser Süden (und Dormagen) zu betrachten.

Es wird zudem als notwendig angesehen, die bestehende Infrastruktur (Verkehr, technische Infrastruktur, …) an die Entwicklung des neuen Gebiets anzupassen und die neuen Bürger*innen für die Verkehrssituation im Ortsteil frühzeitig zu sensibilisieren.
Die Wohnbauflächen im Osten des Ortsteils wurden bezüglich der Infrastrukturanbindung und ihrer Einbettung an den Ortsrand als positives Beispiel benannt.

Von den Bürger*innen wurde betont, dass der Ortsteil Rosellerheide als Wohnstandort eine hohe Qualität aufgrund der zahlreichen Grünräume und des dörflichen Charakters aufweist. Diese Qualität/Identität des Ortsteils müsse erhalten bleiben.

Bezüglich der neuen Wohnbebauung, war ein Großteil der Teilnehmenden der Auftaktveranstaltung gänzlich gegen eine Bebauung. Stattdessen wurde vorgeschlagen beispielsweise den Generationenwechsel intensiver zu begleiten sowie innerhalb des Ortsteils Rosellerheide oder in den umgebenden Ortsteilen (z.B. Allerheiligen) nachzuverdichten.

Gegen eine Bebauung sprechen laut den Teilnehmenden der Auftaktveranstaltung insbesondere die Belange des Natur-, Arten-, Landschafts- und Klimaschutzes. Die Landschaft solle nicht noch weiter zerstört, die Versiegelung reduziert und das Grün erhalten werden. In diesem Zusammenhang wurde sowohl auf das angrenzende Landschaftsschutzgebiet nördlich des Schwarzen Grabens, das auch wertvolle Tierarten beherbergt, als auch auf die Retentionsflächen verwiesen.
Allerdings wurde diese Thematik auch kontrovers diskutiert, da sich in der weiteren Umgebung des Plangebiets und von Rosellerheide noch weitere große Grünflächen befinden, die genutzt werden können.
Die Auswirkungen auf das Stadtteilklima sollen bei einer möglichen Bebauung berücksichtigt werden (z.B. Aufheizung, Frischluftschneisen, …).

Auch die dargestellte Plangebietsgröße wurde während der Auftaktveranstaltung rege diskutiert. Den Bürger*innen erscheint es wichtig, dass wenn nicht die gesamte dargestellte Fläche bebaut wird, sondern nur ein gewisser Teil. Dabei können sich die Teilnehmenden vereinzelt auch kleinere Grundstücke vorstellen.
Der Standort einer möglichen Bebauung wurde dabei kontrovers diskutiert. Während sich ein Teil der Teilnehmenden eine Bebauung nur auf der östlichen Teilfläche (z.B. von Alter Hauptstraße bis Kirmesplatz) vorstellen kann, kommt für einen anderen Teil der Bürger*innen nur eine Bebauung im westlichen Bereich des Plangebiets in Frage. Zudem wurde mehrfach bekräftigt, dass die Möglichkeit gegeben werden sollte, auch oder nur die rückwärtigen Grundstücke der nördlichen Neukirchener Straße im Sinne einer Hinterlandbebauung für die eigenen Kinder etc. zu bebauen. Die Erschließung könne dabei über Stichstraßen von der Neukirchener Straße aus erfolgen.

Die Notwendigkeit von Wohnraum im gesamtstädtischen Kontext wurde des Öfteren betont, allerdings solle dieser an anderer Stelle und nicht in Rosellerheide bereitgestellt werden, so ein Großteil der Bürger*innen. Eine mögliche Bebauungsoption sieht eine Vielzahl der Teilnehmenden, wie oben bereits erwähnt, jedoch in der Hinterlandbebauung.
Im Falle einer Bebauung könnten innerhalb des Plangebiets „Am Schwarzen Graben“ beispielsweise Angebote für Senior*innen- oder Mehrgenerationenwohnen integriert werden. Des Weiteren wurde bekräftigt, dass ein Teil der entstehenden Wohnangebote sozialverträglich, niedrigpreisig und im Sinne der sozialen Wohnraumförderung entwickelt werden sollten.

Die Themen derDichte und der Typologien einer Bebauung im Plangebiet wurden kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite solle die Bebauung eher ortsangepasst sein und vorrangig Einfamilienhäuser aufweisen, auf der anderen Seite sind aber auch Mehrfamilienhausstrukturen und Mietwohnungen vorstellbar. Insgesamt solle die Bebauungsstruktur aber eher aufgelockert und nicht zu hoch sein. Zudem wünschten sich die Teilnehmenden eine hohe Wohnqualität, ökologische Wohnquartiere und qualitative Grünbereiche sowie einen Spielplatz, eine Quartiersmitte und Räumlichkeiten für Kinder und Jugendliche. Auch die bereits bestehenden und intensiv genutzten Ausgehwege für Hunde sollten gesichert werden. Des Weiteren wurde darauf hingewiesen, dass auch die Tierhaltung und das Engagement des Tierschutzvereins im Ort und auf den Flächen des Plangebiets bedeutend für den Ortsteil sind. Die Haltung von Kleintieren solle im Bestand weiterhin möglich sein.
Vereinzelt wurde darauf verwiesen, dass mit dem Bau eines neuen Wohnquartiers auch ein neues Nahversorgungsangebot (z.B. Supermarkt) entstehen könnte.

Bei der Diskussion bezüglich der Bauträgerschaft (einer, mehrere oder individuell) gingen die Meinungen auseinander. Als Zielgruppen für eine mögliche Bebauung wurden insbesondere Familien und die Bewohner*innen Rosellerheides benannt.

Bezüglich der Ertüchtigung der technischen Infrastruktur bei der Entwicklung eines neuen Wohngebiets, wurde während der Auftaktveranstaltung des Öfteren die Sorge der Anwohner*innen geäußert, dass ggf. die Kanalisation bei einer gewissen Anzahl an neuen Wohneinheiten überlastet werden könne und in diesem Sinne die Erschließungskosten für einen neuen Kanal über die Anlieger*innen abgerechnet werden würde.
Zudem solle darauf geachtet werden, dass das Regenwasser im Gebiet versickert sowie eine ökologische Entwässerungsanlage errichtet wird.
Von einigen Teilnehmenden wird auch befürchtet, dass der Grundwasserspiegel durch die räumliche Nähe zu langfristig nicht mehr betriebenen Kohleabbaugebieten so stark ansteigt, dass daraus Überflutungen im Ortsteil resultieren.

Befürchtungen wurden auch bezogen auf mögliche Maßnahmen zur Lärmabschirmung, wie z.B. Lärmschutzwände, geäußert.
Die Geruchsbelastung durch die Tierhaltung wird im Einzelnen als marginal eingeschätzt.

Die Teilnehmenden der Auftaktveranstaltung haben an der Station zum Schützenplatz den hohen Traditionswert und das Brauchtum des Schützenfestes stark betont. Aus diesem Grund und weil eine Verlagerung des Platzes auch zu einer zusätzlich versiegelten Fläche führen würde, wird - insbesondere von aktiven Schützenvereinsmitgliedern - vorgeschlagen, den Schützenplatz an seinem bisherigen Standort zu belassen.

Der Erhalt des Schützenplatzes wurde unter den Gesichtspunkten einer Bebauung des Plangebiets aber auch kontrovers diskutiert. Es wurde darauf hingewiesen, dass eine Bebauung nur erfolgen kann, wenn der Schützenplatz und die daraus resultierenden Lärmemissionen verlagert werden. Der neue Standort sollte dennoch in räumlicher Nähe zum derzeitigen Schützenplatz sein und wichtig sei es, die neuen Bürger*innen in den Verein einzubinden.
Eine Verlagerung des Schützenplatzes nördlich der Rosellener Schulstraße ist nicht erwünscht, da die Identität des Schützenplatzes mit dem eigenen Ortsteil gewahrt werden soll.

Für das zukünftige Quartier könnte sich von einigen Bürger*innen vorgestellt werden, ein neues Schützen- und/oder Vereinshaus bzw. multifunktionales Gebäude zu bauen. Dies erscheint wahrscheinlicher, wenn der Platz verlagert wird und somit neu eingerichtet wird. Insgesamt fehle es dem Ortsteil an Freizeit- und Spielplatzangeboten. Diese könnten in ein neues Quartier integriert werden. Gleiches gilt für Angebote für Senior*innen.

Die Verlagerung des Tennenplatzes bzw. „Ascheplatzes“ im Osten des Plangebiets wurde während der Auftaktveranstaltung kontrovers diskutiert.Während ein Teil der Teilnehmenden lediglich eine Sanierung des Tennenplatzes am jetzigen Standort sieht, kann sich ein anderer Teil die Verlagerung auf die Friedhofserweiterungsfläche vorstellen.
Gegen eine Verlagerung spräche zum einen die Nähe der Friedhofserweiterungsfläche zum Naturschutzgebiet (Lärm, Licht, Artenschutz) und zum anderen werde befürchtet, dass der neue Standort von den neuen Bürger*innen nicht akzeptiert werden könnte.
Im Zuge einer Bebauung solle zudem auf die nötigen Abstandsflächen zu den Sportanlagen und zum Schützenplatz geachtet werden.
Zudem wurde darauf hingewiesen, dass auch der Tennisplatz sanierungsbedürftig sei.

Die Notwendigkeit einer neuen Kita durch eine neue Bebauung wird gesehen. Allerdings sei der Standort des Tennenplatz fragwürdig, da das bereits hohe Verkehrsaufkommen in der St. Peter-Straße und Im Rethkamp dadurch weiter verstärkt werden würde.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Erschließung des neuen Gebiets insbesondere von Osten kommend kontrovers diskutiert. Die St. Peter-Straße und Im Rethkamp sind Anwohnerstraßen, die laut den Teilnehmenden der Auftaktveranstaltung keinen zusätzlichen Verkehr mehr aufnehmen können. Durch eine Erschließung im Osten würden diese Straßen noch stärker vom Verkehr belastet werden, was auch zu einer Abwertung der Grundstücke führen könne.
Zudem wurde von Durchfahrtsstraßen abgeraten. Eine alternative Erschließung von Norden mit Anschluss an den Friedhofsweg wurde von Teilen der Teilnehmenden befürwortet. 

Weitere Anregungen zum Thema „Verkehr und Erschließung“ finden Sie hier unter dem Themenfeld „Zugänglichkeit und Erschließung des Plangebiets sowie Verknüpfung mit dem Stadtteil“.

Während der Auftaktveranstaltung wurden Anregungen und Hinweise gegeben, die sich thematisch nicht den Stationen zuordnen lassen. Diese sollen in dieser Kategorie dargestellt werden.

Insgesamt gingen die Meinungen zur Entwicklung des Gebietes weit auseinander. Zum einen wurde mit der Entwicklung ein Potential für die Stärkung des Ortes gesehen, wobei insbesondere die Erschließung entscheidend sei. Zum anderen wurde das Projekt als zu groß für den Stadtteil angesehen. Es wurde bemängelt, dass zu wenig Fakten zum Stand des Gebiets für die Öffentlichkeit zugänglich sind und Änderungen an beschlossenen Planungen zu spät bekannt werden.

Zudem wurde der Zeitpunkt der Auftaktveranstaltung als „nicht ideal gewählt“ eingeschätzt ­(kurz nach der Kommunalwahl, Beginn der Herbstferien, …). Spätestens zur Abschlussveranstaltung sollten auch die Bewohner*innen der umgebenden Straßenzüge schriftlich / per Post bzw. Flyer direkt eingeladen werden (Südseite Neukirchener Straße, St. Peter-Straße, Im Rethkamp, …), so ein Wunsch der Anwohner*innen.

Zusammenfassende Ergebnisauswertung der Anregungen der Bürgerinitiative

Im Folgenden wurde das Feedback aus der Petition der Bürgerinitiative „Am Schwarzen Graben muss grün bleiben! Für den Erhalt der Natur und gegen den drohenden Verkehrskollaps“ zusammenfassend betrachtet und ausgewertet. Die wesentlichen Meinungen und Ideen werden nun im Nachgang nach verschiedenen thematischen Kategorien geclustert – ohne sie jedoch zu bewerten. 

Die Teilnehmer*innen der Petition sind grundsätzlich gegen eine Bebauung des Plangebiets „Am Schwarzen Graben“ in Neuss und haben unterschiedliche Gründe hervorgebracht, warum sie gegen eine Entwicklung und Bebauung des Areals "Am Schwarzen Graben" in Neuss sind. Sie sehen den Ort als Stück ihrer Heimat an, den es in seinem Zustand aufgrund der Tradition und des Erinnerungswertes zu erhalten gilt. Die Natur und geringe Bebauung spielen dabei eine wichtige Rolle für das Heimatgefühl und den lebenswerten Wohn- und Freizeitstandort. Auch die Tatsache, dass sie in der direkten Umgebung oder in Rosellerheide wohnen, wurde hier angeführt. 
Es wurde zudem grundsätzlich die Notwendigkeit einer Bebauung hinterfragt, da angesichts einer Vielzahl an Baufeldern im Neusser Süden der Wohnungsbedarf an anderer Stelle in Neuss größer erscheint. Die Bürger*innen wollen nicht der Anlaufpunkt für Zugezogene aus angrenzenden Großstädten sein.

Die Bestehende Verkehrssituation wird von den Teilnehmer*innen bereits heute als sehr angespannt wahrgenommen und die Anwohner*innen fühlen sich durch Emissionen, enge Bestandsstraßen, hohes Tempo, Staus durch Pkw- und LKW-Verkehre und geringe Parkmöglichkeiten belastet. Dies tritt insbesondere zu den Stoßzeiten auf und betrifft die Neukirchener Straße, in der Parkplätze den Verkehrsfluss zusätzlich behindern, die Neuenberger Straße und die kleinen Wohnstraßen Im Rethkamp und St. Peter-Straße, die zugleich den Schulweg für viele Schüler*innen der Grundschule darstellen und durch hohe Verkehrsbelastungen die Sicherheit der Kinder nicht ausreichend gewährleisten können. Von den Teilnehmenden wird zudem die Gefahr gesehen, dass sich diese Prozesse bei einer zusätzlichen Bebauung deutlich verstärken und noch mehr Probleme im Alltag verursachen. Daher sollen alternative Erreichbarkeiten über den ÖPNV etc. geprüft und ausgebaut, ebenso wie alternative Routen um den Ortskern herum gedacht werden. Außerdem sollte nach Meinung der Teilnehmenden nicht nur das direkte Umfeld des Plangebiets betrachtet werden, sondern eine großräumige verkehrstechnische Analyse Probleme beleuchten. 
Zudem wurde aus der Bürgerschaft die Vermutung geäußert, dass die unterirdische Infrastruktur (Kanalisation etc.) nicht für die Mehrbelastung des Neubaugebietes sowie die Bewältigung zunehmender Starkregenereignisse ausgelegt ist. 
Im Stadtteil angesiedelte ergänzende Infrastrukturen im Versorgungsbereich, wie Einzelhandel, Ärzte und Nahversorgung werden als kleinteilig eingestuft. Es besteht laut den Teilnehmenden die Gefahr, dass diese Infrastrukturen die neu hinzugezogenen Bürger*innen nicht noch zusätzlich auffangen können. Demgegenüber wurde auch angemerkt, dass es im Stadtteil kaum gastronomische Einrichtungen gibt.

Das Neubaugebiet ist auf Grund der Nähe zu Sportstätten, Schützenplatz und Verkehrswegen unterschiedlichen Lärmemissionen ausgesetzt. Hier besteht von Bürger*innen die Befürchtung, dass Sport- und Freizeiteinrichtungen zurückgedrängt werden, um die erforderlichen Lärmgrenzwerte für die Realisierung von Wohnnutzungen einhalten zu können.
 

Ein Großteil der Teilnehmenden der Petition war grundsätzlich gegen eine Bebauung. Stattdessen wurde vorgeschlagen beispielsweise den Generationenwechsel intensiver zu begleiten sowie innerhalb des Ortsteils Rosellerheide bestehende Baulücken zu nutzen oder in den umgebenden Ortsteilen (z.B. Allerheiligen) nachzuverdichten.   

Gegen eine Bebauung sprechen laut den Teilnehmenden insbesondere die Belange des Naturschutzes, Artenschutzes, Landschaftsschutzes und Klimaschutzes. Insbesondere der Klimaschutz sei nach Meinung der Teilnehmenden bei einer weiteren Bebauung nicht mit den Zielen der Stadt zu vereinbaren. Daher haben sich die Teilnehmenden der Petition vermehrt für den allgemeinen Erhalt von Grünflächen, Natur und Flora und Fauna in Rosellerheide ausgesprochen. Dazu wurde die Grünfläche Am Schwarzen Graben als Fläche für Mensch und Tier herausgestellt und die fehlende Verfügbarkeit anderer Flächen bemängelt, falls die Bebauung umgesetzt werden würde. Dabei spielt der Umweltschutzgedanke für Flora und Fauna eine große Rolle, der die Grundwasserbildung fördert, Kaltluftbahnen ermöglicht, als Pufferzone für das angrenzende Naturschutzgebiet fungiert und so durch die Vermeidung von Flächenversiegelungen zur klimagerechten und ökologischen Struktur der lokalen Wohnumgebung in Rosellerheide beiträgt. 
Weiterhin solle die Landschaft nicht noch weiter zerstört und die Versiegelung reduziert werden. In diesem Zusammenhang wurde sowohl auf das angrenzende Landschaftsschutzgebiet nördlich des Schwarzen Grabens, das auch wertvolle Tierarten beherbergt, als auch auf die Retentionsflächen verwiesen. Zugleich sollen zusammenhängende Grünflächen als Biotopverbund für Flora und Fauna gesichert und gefördert werden.

Der Raum des Plangebiets wird aktuell häufig, insbesondere durch die Anwohner*innen, zur Naherholung und Freizeitgestaltung genutzt. Daher solle das Grün als erfahrbarer Raum für alle Generationen erhalten werden.

Von den Teilnehmer*innen wurde betont, dass der Ortsteil Rosellerheide als Wohnstandort eine hohe Qualität aufgrund der zahlreichen Grünräume in der Nähe und des dörflichen Charakters aufweist. Zusätzlich ist den Teilnehmer*innen wichtig, die vorhandene Identität und den "dörflichen Charakter" zu erhalten, da dieser für eine besondere Lebensqualität spreche, Sicherheit vermittle und auch einen Teil des Images der Stadtteile in Neuss ausmache. 
Des Weiteren gibt es mehrere Stimmen aus dem Bereich der Tierhaltung, welche eine große Bedeutung für den Ort hat. Unter anderem sind hier Orte zum Auslauf für den Hund, Flächen zum Reiten und die Haltung weiterer Kleintiere genannt worden.
Demgegenüber ist jedoch auch die Lärmbelastung durch Sport, Kirmes und Verkehr zu nennen, die auch weiter entfernt noch wahrgenommen werden und zu Störungen führen können.

Für einen Bezug der möglichen Bebauung wurden insbesondere Familien und die Bewohner*innen Rosellerheides benannt. Teilnehmer*innen der Petition stellen in Frage, ob das Gebiet für "junge Familien" finanziell erschwinglich sei.
Unter den Teilnehmenden kam die Befürchtung auf, dass die neu gebauten Wohneinheiten nicht für den Zuzug von Angehörigen junger Familien oder zurück an den Heimatort ziehende Bevölkerungsgruppen, die einen starken Bezug zum dörflichen Leben aufweisen, geplant werden. Stattdessen vermuten sie Investitionsobjekte, die sich an eine Gruppe von "Besserverdienern" aus den umliegenden Großstädten richten, die sich nicht mit dem dörflichen Charakter und den Gegebenheiten vor Ort identifizieren können und so Traditionen und Brauchtum in Rosellerheide nicht mittragen.

Der Traditionswert des Schützenplatzes mit Kirmes und Schützenfest wird von den Teilnehmenden als positiv hervorgehoben. Laut Aussagen der Bürgerschaft besteht bei einer Bebauung des Plangebiets die Gefahr, dass die Schützenfestkultur beeinträchtigt wird. Von Konflikten zwischen zukünftigen Bewohner*innen und dem Betrieb des Platzes sei auszugehen. Aus diesem Grund und weil eine Verlagerung des Platzes auch zu einer zusätzlich versiegelten Fläche führen würde, wird vorgeschlagen, den Schützenplatz an seinem bisherigen Standort zu belassen und auf eine Bebauung zu verzichten.

Gegen ein Quartier für junge Familien, die sich in die dörfliche Struktur der Rosellerheide integrieren besteht grundsätzlich kein Einwand, jedoch wird der Standort Am Schwarzen Graben aufgrund seiner Vorstrukturierung, der Lage, dem Bezug zum Naturraum und der geplanten hohen Dichte an Bebauung nicht als geeigneter Standort angesehen. Stattdessen soll die Baufläche in Allerheiligen ergänzt werden.

Mit einer Neubebauung Am Schwarzen Graben ist von Teilnehmer*innen die Vermutung geäußert worden, dass Nutzungskonflikte zwischen bestehender Kultur-, Freizeit und Sportnutzung sowie neuer Wohnnutzung entstehen könnten. Der bestehende Tennenplatz sollte auch am Standort erhalten bleiben, da er u.a. als Spielmöglichkeit in Wohnortnähe fungiert.

Die Verfügbarkeit von Kita-Plätzen in Rosellerheide wird bereits jetzt als unterversorgt wahrgenommen und müsste sowohl mit als auch ohne eine neue Bebauung erweitert werden.